Truthuhn
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Völlig unbekannt war den alten Kulturvölkern unser Truthuhn oder der Puter (Meleagris gallopavo). Außer dem Kakao verdanken wir den alten Mexikanern die Domestikation des dort und im Süden der Vereinigten Staaten lebenden Truthuhns, das früher bei ihnen und den weiter südlich wohnenden Mayastämmen neben dem zahmen Hund die Hauptquelle für Fleischnahrung bildete. Es lebt heute noch in verschiedenen Staaten in den Wäldern im Süden Nordamerikas. Die beste Schilderung des freilebenden Tieres verdanken wir dem nordamerikanischen Ornithologen John James Audubon (1780- 1851). Dieser schreibt,daß das Truthuhn zeitweilig in großen Gesellschaften lebe und unregelmäßige Wanderungen antrete, indem es tagsüber nahrungssuchend auf dem Erdboden herumlaufe, nachts aber auf hohen Bäumen raste. Der erste Chronist, der über das Truthuhn berichtete, ist der Gouverneur von Hispaniola, Gonzales Fernando Oviedo, er berichtet aus den ehemaligen Aztekenreich, das in das spanische Vizekönigreich Hispaniola (in Mexiko) verwandelt wurde. Oviedo berichtet über Truthühner im Jahre 1525: "Das Ganze der Naturgeschichte des indischen Okzidentes", erschienen im Jahre 1525 in Toledo. Er macht sehr genaue Angaben, über diesen interessanten Vogel; er hält ihn für verwandt mit dem Pfau, was allerdings nicht zutrifft. Ausführlich schildert er, wie begeistert seine Landsleute vom vorzüglichen Fleisch dieses Neulings gewesen sind. Sie fingen das Tier ein, zähmten es und hielten es als Haustier. So wurde das Truthuhn bereits im gezähmten Zustande nach Neukastilien und von da nach den Antillen, wo es mit viel Liebe und Verständnis als Hausvogel gepflegt und gehegt wurde, gebracht. Oviedo sagt von diesen Vögeln weiter, daß sie einen nackten Hals hätten und mit einem Federkleid bedeckt wären das sie ganz nach ihrem Gefallen in den verschiedensten Farben spielen lassen könnten. Als größte Kuriosität erwähnt er aber eine Art Hörn auf der Stirn und einen Haarpinsel vorn auf der Brust.
Godron, ein anderer Naturforscher, berichtet in seinem Werke "Über die Arten und Rassen der organischen Wesen", indem er sich gleichzeitig an einen anderen Naturforscher namens Herrera anlehnt, daß die Domestizierung der Truthühner zuerst durch die alten Mexikaner vorgenommen wurde. Der große Feldherr Cortes fand schon mehrere tausend Truthühner bei seinen Streifzügen in Mexiko, die in den umfangreichen Wirtschaftshöfen der Paläste und Güter, insbesondere aber im Palast von Montezuma gehegt und gepflegt wurden.
Weitere Angaben macht Pedro Cieca de Leon, ein Begleiter von Pizarro, der auf seinen Streifzügen wilde Truthühner auf der Landenge von Panama fand. In Mittelamerika, im Staate Yucatan, fand auch Dampier die Tiere, als er seine bekannte Expedition zur Ausrottung der Seeräuber machte.
René de la Laudonniere, ein Edelmann aus dem Geschlechte der Hugenotten, fand, wie man aus seiner Geschichte über Florida entnehmen kann, auch im nördlichen Amerika wilde Truthühner. Er hatte dort im Jahre 1564 eine Kolonie gegründet, die allerdings bald wieder durch den spanischen Aufstand vernichtet wurde. 20 Jahre später, ungefähr im Jahre 1584, kam Walther Raleigh mit seinem Schiff an die Küste des Landes, das er zur Ehre seiner Souveränin Elisabeth den Namen Virginia gab. Auch da fand er viele Herden wilder Truthühner. In England erschienen die Truthühner zum erstenmal unter der Regierung Heinrich VIII., und zwar im Jahre 1524. Hakluyt berichtet in seiner Schrift aus dem Jahre 1582, indem er seinen Freunden in Konstantinopel schreibt, daß unter den besonders interessanten Tieren, die aus der Fremde nach England eingeführt worden seien, türkische Hähne und Hennen besonderes Aufsehen erregt hätten. Es handelt sich dabei zweifelsfrei um aus Amerika importierte Truthühner. Dieser Irrtum des Schriftstellers ist bis heute noch nicht ausgeräumt, denn noch immer heißt unser Truthuhn in der englischsprachigen Welt Turkey (Türken).
Der Altertumsforscher Dugdale schwärmt in einem seiner Werke, daß er im Jahre 1555 an einem großen Gastmahl, bei dem auch Truthühner aufgetragen worden seien, teilgenommen hätte. Als die Bewohner Englands einmal den guten Geschmack des Truthuhnes festgestellt hatten, wurde es in dem Lande eifrig gezüchtet, so daß sich die Truthühner im Jahre 1585 dort bereits sehr vermehrt hatten, daß sie auf keinem Tisch der gehobenen Schicht fehlten. Auch bei Fürsten und Königen nahmen sie eine bevorzugte Stellung ein. Darüber geben uns bis heute erhaltene Rechnungen über die Kosten der Hofhaltung der Königin Elisabeth interessanten Aufschluß. Denn bei einem großen Prunkmahle, das im Februar 1594 im Westminster Palast stattfand, sind auch auf den Rechnungen für die Speisen 9 Truthühner aufgeführt, die das Stück 5 - 6 Schilling gekostet haben. Auf den Rechnungen fanden sich auch Angaben über die Preise, die damals für Fasane bezahlt wurden, sie kosteten nicht weniger als 8 Schilling.
Alle Aufzeichnungen und bis heute gepflegte Traditionen belegen, daß Spanien die erste Station der Truthühner auf europäischem Boden war. Die Geschichte Amerikas mit dem damaligen Spanien war eng verknüpft. Sicherlich wollten englische Züchter Spanien diesen Ruhm streitig machen, aber es steht fest, der spanische Schriftsteller Oviedo beweist es auch in seinen Schriften, daß spanische Mönche die Truthühner einführten. Diese Mönche waren als Verbreiter des Christentums nach Amerika gegangen und hatten dort Klöster gegründet, in denen sie im großen Maße Truthuhnzucht betrieben. Es ist so wohl anzunehmen, daß sie diesen interessanten Vogel zuerst in ihre Heimat und nicht nach England sandten. Die Truthühner wurden mit Sicherheit nicht ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung wegen eingeführt, sondern lediglich aus Neugierde und Liebhaberei. Die erste wissenschaftliche Beschreibung des Truthuhnes stammt von dem bekannten Naturforscher und Reisenden Pierre Gilles, der sie in einer lateinischen Schrift, die im Jahre 1533 gedruckt wurde, ausführlich beschreibt. Diesem Werk haben auch Geßner und der bekannte Aldrovandi zum Teil ihre Beschreibung über die Truthühner entnommen und für ihre Arbeiten verwendet.
Die in Amerika beheimateten Hühner haben sich in Europa verhältnismäßig leicht akklimatisiert, obwohl ihre Zucht im Mittelalter lange im argen lag. Ihr Fleisch galt lange Zeit als Delikatesse. In einer Verordnung zur Beschränkung des Konsums von Luxusgütern, 1557 in Venedig veröffentlicht, hieß es. das Truthuhn gehöre ausschließlich auf die Tafel der Reichen. Um das Jahr 1570 herum veröffentlichte der Leibkoch des Papstes Pius V., Bartalomeo Scappi, in seinem Kochbuch mehrere Rezepte, wie man Truthühner auf besonders feine und kostspielige Weise zubereiten könne.
Im Jahre 1530 hielten die ersten Tiere Einzug in Böhmen und Schlesien. Als sie in Europa erst einmal Fuß gefaßt hatten, verbreiteten sie sich über den gesamten Kontinent. Von Europa wurden sie dann nach Asien gebracht.
- Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 12. Mai 2011 21:13
