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Bielefelder Kennhühner

In unserer Liebhaberzucht, ob in Deutschland oder in anderen Ländern, finden wir Züchter, die sich immer wieder schwieriger Groß- und Zwergrassen annehmen, die die Erbmasse der Asiaten in sich tragen oder selbst noch reine Nachkommen dieser Hühnerrassen sind. Die neuen Rassen ab Mitte des vorigen Jahrhunderts, die wir bei uns als Asiaten bezeichnen, brachten darüber hinaus eine ganz neue Betrachtung in die Rassegeflügelzucht. Es war das Bemühen der deutschen Züchter, eine Harmonie in der Rasseveredlung zu erreichen. Dieser Gedanke der Harmonie ist im Grunde genommen das, was Konrad Lorenz schon auf seinem Lehrstuhl in Königsberg forderte: "Einheit alles Lebenden mit der Schöpfung." Im wahrsten Sinne des Wortes ist es das, was die nordamerikanischen Indianer in ihrem Natur- und Gottesverständnis so schön auszudrücken vermögen.

Taufe einer neuen, in Bielefeld erzüchteten Rasse durch Bielefelds Oberbürgermeister; von links: OB Klaus Schwickert, Thorsten Detering, Gerd Roth, W. DeteringDie Vielfalt der nun entstehenden neuen Rassen und Schläge wie Plymouth Rocks, Rhodeländer, Wyandotten, Barnevelder und viele mehr ist ein Ausdruck dieser Harmonie. Der Mensch wurde gleichsam schlagartig schöpferisch tätig, indem er in seiner Auslese gewissen Leitbildern nacheifert. Was einst in Amerika und England begann, setzte sich auch bis in unsere heutige Zeit fort, so und nicht anders verhielt es sich auch bei der Erzüchtung der Bielefelder Kennhühner. Der Gedanke, daß die züchterisch hochinteressante Kennfarbe nur als ein Farbenschlag "als einer von vielen" bei zwei Rassen und deren Zwergform bestand, ließ beim Erzüchter Gerd Roth die Idee reifen, eine eigenständige Kennrasse zu erzüchten. Für die Erzüchtung nahm Roth folgende Rassen: Amrocks, New Hampshire, Welsumer und gestreifte Wyandotten.
Während die Erzüchtung der Kennfarbe auf Basis der Wildfarbe in Verbindung mit dem Sperberfaktor keinerlei Probleme brachte, ergaben sich hinsichtlich der Namensfindung für die neu geschaffene Rasse anfänglich doch erhebliche Schwierigkeiten, als sie anläßlich der Erstvorstellung in Hannover 1976 dem Zuchtausschuß des B.D.R.G. vorgestellt wurden. Gegen die Bezeichnung Deutsches Kennhuhn und Kennrocks richteten sich die Einsprüche der Sondervereine. Der Zuchtausschuß gab hier die Empfehlung, eine örtliche oder regionale Bezeichnung zu finden. Nun standen die Namen westfälisches Kennhuhn, Bielefelder und Lipper Huhn an. Aufgrund der Verbundenheit zum Stadtverband Bielefeld durch die Vorstandstätigkeit des Züchters und nicht zuletzt auch auf seinen Freund (der Verfasser) hörend, entschloß sich Gerd Roth, der Neuzüchtung den Namen Bielefelder Kennhühner zu geben. Im Bielefelder Stadtteil Milse ist diese Hühnerrasse der neuen Zeit im wahrsten Sinne des Wortes geboren worden. Das Geburtshaus ist der Brutkeller des Geflügelzuchtvereins Milse im Hause von Schuhmachermeister Hermann Schräge.

Mit der Rassebezeichnung "Bielefelder Kennhühner" ist der Weg dieses Huhnes klar vorgezeichnet, nachdem der Zuchtausschuß des B.D.R.G. diesen Namen akzeptiert hat. Das Klischee dieser Rasse ist ein schwerer Typ mit gerader und möglichst langer Rückenlinie in Verbindung mit einem stumpfen Schwanzwinkel. Die Form soll sich auch größenmäßig von anderen Rassen deutlich unterscheiden. Bei tiefer Stellung zeigt die Rasse kaum Schenkelfreiheit. Die Kennfarbe setzt sich von den bisher anerkannten Rassen deutlich ab und trägt auch farblich zum eigenen Rassetyp der Bielefelder Kennhühner bei. Beim Hahn ist die Brustfarbe überwiegend gelb gesperbert, während bei der Henne die rötlich-gelbe Brust und die leicht rötliche Tönung des Mantelgefieders in Verbindung mit der durch leichte Sperberung aufgehellten Wildfarbe das Farbbild sehr apart wirkt. Grautönungen im Mantelgefieder der Hennen sind verpönt. Die Erzüchtung dieses gelbbeinigen Kennhuhnes begann Gerd Roth im Jahre 1973. Im Jahre 1980 folgte die volle Anerkennung durch den Zuchtausschuß des B.D.R.G.
Nur vier Jahre später erfolgte dann nach mehrmaligen Vorstellungen bei Bundesschauen die Anerkennung der Zwergrasse. Der Sonderverein beteiligt sich jährlich mit einer Hauptsonderschau an den Bielefelder Westfalenschauen. Tierzahlen weit über 100 Tiere sind hier nicht selten.